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Jeder von uns nutzt Opioide fast täglich. 2015 wurde die S3 Leitlinie zur Langzeitverordnung von Opioiden bei Nichttumorschmerz herrausgegeben. Trotzdem gibt es abseits vom Tumorschmerz so gut wie keine Evidenz zu diesem Thema.  Im Rahmen von langanhaltenden Schmerzen mit hohem Schmerzmittelbedarf kommt häufig die Opioidrotation zur Anwendung. Gerade bei hohen Dosen kein ganz ungefährliches Unterfangen. Umso spannender, dass das Deutsche Ärzteblatt eine Handlungsempfehlung zu diesem Thema herraus gegeben hat.

Die PIN-UP Docs haben das Wichtigste für euch herrausgearbeitet:

  • Während einer indizierten Langzeitbehandlung mit Opioiden im Rahmen der Tumor- beziehungsweise Nichttumorschmerztherapie kann eine Opioidrotation aufgrund auftretender Toleranzeffekte und unerwünschter Nebenwirkungen oder zu Beginn eines geplanten Opioidentzugs sinnvoll sein.
  • Dabei sollte die vollständige Opioidtagesdosis (retardierte und unretardierte Medikation) erfasst werden und diese dann über die entsprechenden Morphinäquivalente in die neue Opioidmedikation umgerechnet werden.
  • Bei der Umrechnung in Äquivalenzdosen sollten von Fachgesellschaften (z. B. Deutsche Schmerzgesellschaft) publizierte Tabellen oder Fachinformationen  genutzt werden.
  • Eine Plausibilitätsprüfung und zweite Rechnung durch einen weiteren Behandler sollte in der Praxis durchgeführt werden. Die praktische Umsetzung dieses Punktes wird wohl eher schwierig
  • Bei Patienten mit Nichttumorschmerz sollte initial eine Dosisreduktion um 30–50 % erfolgen; bei Patienten mit Tumorschmerz wird generell keine Dosisreduktion empfohlen.
  • Die errechnete retardierte Opioiddosis kann gegebenenfalls in der Einstellungsphase um eine nichtretardierte Bedarfsmedikation (ein Sechstel der Tagesdosis) ergänzt werden, um die effektive Dosis zu ermitteln. Schnellwirksame Opioide sind allerdings in der Indikation kritisch bei Schmerzpatienten mit Nichtumorschmerzen zu prüfen. Abhängig von den Vorerkrankungen beziehungsweise der Opioiddosis kann eine Rotation auch ambulant erfolgen. Eine ambulante Einstellung sollte im Besonderen bei älteren Patienten oder hohen Opioiddosen unterlassen werden.
  • Fachinformationen sollten ausreichende Informationen zur Opioidumrechnung enthalten, damit fatale Fehler dort verhindert werden. Dieses ist leider häufig nicht der Fall.
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