ATLS ohne Italiener

Die neuen ATLS Leitlinien sind da. Die Monaldi Postion zur Entlastung eines Spannungspneumothorax wird nicht mehr empfohlen.

Statt dessen:

1. 5. ICR, vordere Axillarlinie (Bülau – Postion)

2. Verwendung einer entsprechend langen Nadel (min. 8 cm)

Hier eine umfassende Darstellung der Gründe und Studienlage von den Kollegen von News-Papers

Die „althergebrachte“ Variante einer Dekompression mittels 14G Braunüle wird somit nicht mehr empfohlen.

Eine 14G Braunüle ist für die „neue“ Position (Bülau) (und wahrscheinlich auch die Monaldi) zu kurz.

Fazit für die Praxis aus unserer Sicht:

Präklinisch:

In unserem Rettungsdienst-Bereich ist keine längere Nadel auf dem NEF oder RTW verfügbar. Das heißt:

Für Notärzte, die die Technik beherrschen und es sich zutrauen:

  • Mini-Thorakotomie und Einlage einer Thoraxdrainage.

Für Notfallsanitäter und Notärzte, die die Technik nicht sicher beherrschen:

Ja was machen die?

Das ATLS etwas nicht mehr empfiehlt heißt ja nicht, dass es unter Strafe verboten ist. Aber es ist ein starker Hinweis das die Technik insuffizient ist.

Daher: Mit dem Rücken an der Wand:

  • weiterhin Nadeldekompression mit 14G Branüle in Monaldi Postion

Alternativen (zügiger Transport/anderes Rettungsmittel) sollten aber kritisch erwogen werden.

Im Schockraum:

  • Thoraxpunktionsnadeln bereithalten
  • Mini-Thorakotomie

Zeiten ändern sich.

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11 Kommentare

  • Avatar Bliblablub

    Moin!
    Wir haben auf unseren RTWs spezielle Punktionskanülen mit dem Lumen einer 14G-Viggo, jedoch in deutlich länger. Diese sind somit für die Punktion eines Spannungspneumothorax auch in Bülau-Position anwendbar. Leider konnten bisher keine Erfahrungen mit dem Marterial gewonnen werden.

  • Avatar Samuel

    Servus,

    sehr spannendes Thema. Nach lesen des News-Papiers Artikels scheint mir das zweite Hauptproblem neben dem Punktionsorten zu sein, dass ungeeignete Nadeln zur Punktion gewählt wurden. Wir fahren bei uns auch mit den Nadeln der FA TyTek die eine Länge von ca 8,2cm haben und damit, wenn man die mittlere Dicke der Thoraxwand aus den Studien von <5cm betrachtet, eine ausreichende Länge. Ich sehe bei der Punktion nach Bühlau die deutlich höhere Gefahr der Dislokation durch Armbewegungen und Fachpersonal, vor allem während dem Transport.

    • Thorben Doll Thorben Doll

      Hallo Samuel,

      du hast natürlich recht. Mit entsprechendem Equipment spricht nichts gegen die Monaldi Position. Außerdem ist ATLS ein innerklinisches Schockraum-Konzept und nicht für die Präklinik. Im PHTLS gibt es diese Änderung nicht.

  • Avatar Felix Bischof

    Notärzte, die die Maßnahme Minithorakotomie bzw. Anlage einer Bülau-Drainage nicht sicher beherrschen…???
    Die Kollegen sollten diese unabdingbare Maßnahmen bitte dringend erlernen!!!
    Die Nadeldekompression, ob in Monaldi- ODER Bülau-Position, erkauft einige Minuten Zeit zur Anlage einer korrekten möglichst großlumigenThoraxdrainage bzw. zum Eintreffen des Notarztes und ist KEIN Ersatz der Drainage, auch nicht bis in den Schockraum!!! Das ist internationaler Konsens!
    Was machen die Kollegen beim traumatischen Cardiac Arrest…beidseitige Nadeldekompression?
    Übrigens kam es zu der Empfehlung, da die Thoraxwand in Monaldi-Position deutlich stärker sein kann und mit Nadel nicht/kaum zu erreichen ist.

    • Johannes Pott Johannes Pott

      Hallo Felix,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Wir sind uns da einig, es ist ein Unding, dass solche Maßnahmen nicht Flächendecken von jedem NA beherrscht werden, aber die Realität sieht leider anders. Gerade in Flächenländern ist die Qualität des Notarztwesens sehr unterschiedlich, um es einmal vorsichtig auszudrücken.

      Was die Kollegen dann machen ? Genau das, was du schreibst, wenn es gut läuft…. alles schon gesehen, sowohl auf der Straße als auch im Schockraum. Es gibt noch viel zu tun !

      Viele Grüße von den Pin-Up-Docs,

      Johannes

      • Avatar Stefan Harder

        Guten Abend!
        Ich möchte dem Felix hier deutlich in seiner Meinung unterstützen! Es kann doch nicht sein das ein Notarzt ( Eine höhere Qualifikation gibt es nicht im Rettungsdienst)sich der Einlage einer Drainage entziehen kann weil er sich selbiges nicht zutraut!!! Es gibt gute Kurse und leider für den Patienten keine dauerhafte Alternative. Eine 2,7er / 8 er Kanüle soll überbrücken bis zum Eintreffen des Notarztes.

        Vg Stefan

        • Thorben Doll Thorben Doll

          Hallo Stefan, Hallo Felix,

          wir sind ja absolut eurer Meinung. Leider sieht die Realität in Deutschland nicht überall so aus! Es gibt notfallmedizinisch noch einige Lücken zuschließen in Deutschland.

          Lieben Gruß

          Thorben

      • Avatar Felix Bischof

        Hallo Johannes, hallo Thorben,
        das ist uns bewusst…
        Es ist damit nur um so wichtiger dies 2020 endlich deutlich darzustellen, es ist gibt Standardmaßnahmen, die von JEDEM Notarzt beherrscht werden müssen!
        VG Felix

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