Hauptfolge November 2025 – Folge 83

Auch diesen Monat haben wir wieder eine spannende und unterhaltsame Folge für euch! Wir besprechen 3 große aktuelle intensivmedizinische Studien, die auf dem diesjährigen ESCIM-Jahreskongress vorgestellt wurden, diskutieren über das neue Curriculum für die Notärzt:innen in der Luftrettung und über einen neuen spannenden und sehr alltäglichen Lieblingsfehler. Und wir haben wieder Mark Weinert zu Gast, der uns sein neues Buch vorstellt. Außerdem hat Thorben für uns die Evidenz und Empfehlungen zur Anästhesie bei kardialen Risikopatient:innen zusammengefasst, ein recht häufiges und bislang wenig diskutiertes Thema.

Viel Spaß beim Hören!!

Vermischtes

BÄK-Curriculum Notarzt/Notärztin in der Luftrettung

Klicke, um auf BAEK-Curriculum_Notarzt-Notaerztin_in_der_Luftrettung.pdf zuzugreifen

Journal Club

Paula

Ranzani OT, Singer M, Salluh JIF, Shankar-Hari M, Pilcher D, Berger-Estilita J, Coopersmith CM, Juffermans NP, Laffey J, Reinikainen M, Neto AS, Tavares M, Timsit JF, Arias Lopez MDP, Arulkumaran N, Aryal D, Azoulay E, Celi LA, Chaudhuri D, De Lange D, De Waele J, Dos Santos CC, Du B, Einav S, Engelbrecht T, Fazla F, Ferrer R, Finazzi S, Fujii T, Gershengorn HB, Greene JD, Haniffa R, Hao S, Hasan MS, Hollenberg S, Ippolito M, Jung C, Kirov M, Kobari S, Lakbar I, Lipman J, Liu V, Liu X, Lobo SM, Magatti D, Martin GS, Metnitz B, Metnitz P, Myatra SN, Oczkowski S, Paiva JA, Paruk F, Pekkarinen PT, Piquilloud L, Pölkki A, Prescott HC, Blaser AR, Rezende E, Robba C, Rochwerg B, Ruckly S, Samei R, Schenck EJ, Secombe P, Sendagire C, Siaw-Frimpong M, Simpkin AJ, Soares M, Summers C, Szczeklik W, Takala J, Tanaka S, Tricella G, Vincent JL, Wendon J, Zampieri FG, Rhodes A, Moreno R. Development and Validation of the Sequential Organ Failure Assessment (SOFA)-2 Score. JAMA. 2025 Oct 29. doi: 10.1001/jama.2025.20516. Epub ahead of print. PMID: 41159833.

ANDROMEDA-SHOCK-2 Investigators for the ANDROMEDA Research Network, Spanish Society of Anesthesiology, Reanimation and Pain Therapy (SEDAR), and Latin American Intensive Care Network (LIVEN); Hernandez G, Ospina-Tascón GA, Kattan E, Ibarra-Estrada M, Ramasco F, Orozco N, Ramos K, Aldana JL, Ferri G, Hamzaoui O, De Backer D, Teboul JL, Vieillard-Baron A, Petri Damiani L, García-Gallardo GA, Morales S, Carmona Garcia P, Mendez R, Hernandez-Gilsoul T, Pérez-Nieto OR, Olea Vielba C, Ramos S, Dominguez D, Bruna M, David S, Wendel-Garcia PD, Galiana-Ivars M, Myatra SN, Messina A, Cecconi M, Pozo M, Amthauer M, Higuera E, Al Duhalib Z, Rico-Feijoo J, Ferrer-Gómez C, Pérez-Carbonell A, Martinez-Castro S, Redondo Calvo FJ, Vives M, Sanchez HF, Bilbao I, Fernandez P, Al-Fares A, Benitez-Cano A, Gonzalez C, Reyes LF, Rodriguez-Guillen JH, Cristino AV, Pendino JC, Ortiz G, Alonso-Gonzalez MC, Murias G, Aguirre-Ávalos G, Hernández L, Calderón Barajas ZA, Zarragoikoetxea I, Monnet X, Goury A, Mendonça Dos Santos T, Vallecilla L, Martins de Lima L, Sady E, Alegria L, Ostermann M, Bakker J, Biasi Cavalcanti A. Personalized Hemodynamic Resuscitation Targeting Capillary Refill Time in Early Septic Shock: The ANDROMEDA-SHOCK-2 Randomized Clinical Trial. JAMA. 2025 Oct 29. doi: 10.1001/jama.2025.20402. Epub ahead of print. PMID: 41159835.

Thorben

Muller G, Contou D, Ehrmann S, Martin M, Andreu P, Kamel T, Boissier F, Azais MA, Monnier A, Vimeux S, Chenal A, Nay MA, Salmon Gandonnière C, Lascarrou JB, Roudaut JB, Plantefève G, Giraudeau B, Lakhal K, Tavernier E, Boulain T; CRICS-TRIGGERSEP F-CRIN Network and the EVERDAC Trial Group.. Deferring Arterial Catheterization in Critically Ill Patients with Shock. N Engl J Med. 2025 Oct 29. doi: 10.1056/NEJMoa2502136. Epub ahead of print. PMID: 41159885.

Dominic

https://www.cell.com/med/abstract/S2666-6340(25)00314-9

Narkose bei kardialen Risikopatient:innen

Flu WJ, Schouten O, van Kuijk JP, Poldermans D. Perioperative cardiac damage in vascular surgery patients. Eur J Vasc Endovasc Surg. 2010 Jul;40(1):1-8. doi: 10.1016/j.ejvs.2010.03.014. Epub 2010 Apr 18. PMID: 20400340.

Werdan, K., Boeken, U., Briegel, M.J. et al. Kurzversion der 2. Auflage der deutsch-österreichischen S3-Leitlinie „Infarkt-bedingter Kardiogener Schock – Diagnose, Monitoring und Therapie“. Kardiologe 14, 364–395 (2020). https://doi.org/10.1007/s12181-020-00419-8

Torregroza C, Roth S, Feige K, Lurati Buse G, Hollmann MW, Huhn R. Perioperative Kardioprotektion – „From bench to bedside“ : Aktuelle experimentelle Evidenz und mögliche Gründe für die limitierte Translation in die klinische Praxis [Perioperative cardioprotection – From bench to bedside : Current experimental evidence and possible reasons for the limited translation into the clinical setting]. Anaesthesist. 2021 May;70(5):401-412. German. doi: 10.1007/s00101-020-00912-5. Epub 2021 Jan 19. PMID: 33464375; PMCID: PMC8099823.

Landesberg G, Mosseri M, Wolf Y, Vesselov Y, Weissman C. Perioperative myocardial ischemia and infarction: identification by continuous 12-lead electrocardiogram with online ST-segment monitoring. Anesthesiology. 2002 Feb;96(2):264-70. doi: 10.1097/00000542-200202000-00007. PMID: 11818754.

Magoon R, Makhija N, Das D. Perioperative myocardial injury and infarction following non-cardiac surgery: A review of the eclipsed epidemic. Saudi J Anaesth. 2020 Jan-Mar;14(1):91-99. doi: 10.4103/sja.SJA_499_19. Epub 2020 Jan 6. PMID: 31998026; PMCID: PMC6970380.

Chapman AR, Adamson PD, Shah ASV, Anand A, Strachan FE, Ferry AV, Lee KK, Berry C, Findlay I, Cruikshank A, Reid A, Gray A, Collinson PO, Apple F, McAllister DA, Maguire D, Fox KAA, Vallejos CA, Keerie C, Weir CJ, Newby DE, Mills NL; High-STEACS Investigators. High-Sensitivity Cardiac Troponin and the Universal Definition of Myocardial Infarction. Circulation. 2020 Jan 21;141(3):161-171. doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.119.042960. Epub 2019 Oct 7. PMID: 31587565; PMCID: PMC6970546.

Flu WJ, Schouten O, van Kuijk JP, Poldermans D. Perioperative cardiac damage in vascular surgery patients. Eur J Vasc Endovasc Surg. 2010 Jul;40(1):1-8. doi: 10.1016/j.ejvs.2010.03.014. Epub 2010 Apr 18. PMID: 20400340.

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7 Kommentare

  • Ragnar

    42 ist immer die Antwort auf alles…per Anhalter durch die Galaxis..
    Btw ist 21 deswegen immer die halbe Wahrheit

  • Markus

    Hallo

    Zu dem Lieblingsfehler:

    beim Arbeiten mit Perfusoren gibt es viele mögliche Fehlerquellen: falsche Konzentration eingegeben, falsche Einheit ausgewählt, falsches Gewicht dokumentiert … da kann schnell mal was schiefgehen. Deshalb halte ich es für absolut sinnvoll, sich ein Sicherheitsnetz zu schaffen.

    Bei uns im OP ist Propofol immer 10 mg/ml, egal ob zur Einleitung oder für die TIVA, und Remifentanil immer 20 µg/ml.
    Das hat u. a. den Vorteil, dass man auch zur Einleitung einfach die Perfusorspritze mit Propofol zur Induktion nehmen kann und die ml-Angaben identisch bleiben.
    Als Sicherheitsnetz / Eyeballing:
    Mit diesen festen Konzentrationen liegen die Laufraten der beiden Perfusoren meist recht nah beieinander. Große Ausreißer fallen dadurch sehr viel schneller auf. Und man kann die Laufrate auch schnell abschätzen (etwa 2/3 vom kg KG als ml/h Laufrate)

    Häufiger Wechsel finde ich in der Anästhesie nicht so wesentlich, da man dort viel länger am Patienten ist und auch einfach die Zeit hat, vorzubereiten, auf der Intensivstation sind die Gründe für lange Laufraten oftmals hier andere (höherer Workload, deutlich mehr perfusoren, weniger Alarmmeldungen die Patienten wecken oder ins Delir treiben …) so dass ich finde dass gerade im OP die Vorteile von nur einer konzentration überwiegen

    • Thomas

      Hallo,

      sehr schöne Folge, vielen Dank!

      Bzgl. des Remifentanils beim Lieblingsfehler: Ihr sprecht vom „1er“, „2er“ und „5er“-Remi und sagt, dass ihr aus Sicherheitsgründen teilweise Dosierungen abgeschafft habt. Zieht ihr die denn im OP dann unterschiedlich auf oder habt ihr immer die gleiche Dosierung in der Perfusorspritze, egal, ob ihr jetzt eine 2mg oder 5mg-Ampulle geöffnet habt?

      Ihr habt auch das Edwards-Monitoring angesprochen: wir nutzen das tatsächlich regelhaft während unserer (Erwachsenen-) kardiochirurgischen OPs und unser OA in der Kardiochirurgie ist sehr überzeugt davon. Die meisten nutzen es aber eher unterstützend wie Johannes und schauen v.a. aufs TEE oder (selten intraoperativ) einen PAK.

      Schöne Weihnachtszeit euch!

  • Mike Hermsen

    Hallo ihr Lieben,

    grundsätzlich stimmt ich euch zum Curriculum Hubschrauber-NA zu und finde auch, dass es besser wäre, wenn alle Kolleginnen und Kollegen ein weitestgehend gleiches Curriculum haben (vgl. Berlin).
    Die verfügbaren Oberarzt-NEF der ländlichen Regionen sind jedoch oft nur Hubschrauber, dies könnte die gesteigerten Anforderungen an die HEMS-NA erklären.

    Frohe Weihnachten euch allen🥰

  • Lasse

    Hallo zusammen,
    Vielen Dank für die tolle Folge. Ich habe wieder wahnsinnig viel gelernt.

    Hinsichtlich der Studie zur invasiven Blutdruckmessung hatte ich das Einschlusskriterium so verstanden, dass entweder ein niedriger RR oder Vasopressor-Therapie vorlag UND ein Zeichen der Hypoperfusion (alteration of mental status; skin mottling; oliguria defined as a urine output 2 mmol/L; peripheral venous lactate concentration >3.2 mmol/L44; central venous oxygen saturation (ScvO2) <70%). Die Details stehen nur in der Veröffentlichung zum Studienprotokoll ("Early versus differed arterial catheterisation in critically ill patients with acute circulatory failure: a multicentre, open-label, pragmatic, randomised, non-inferiority controlled trial: the EVERDAC protocol). Hatte ich das missverstanden?

    Und mir ist aufgefallen, dass ihr sehr die klare Einteilung in statistisch signifikant und nicht signifikant betont. Der Aussage, dass wenn etwas statistisch nicht-signifikant sei, mögliche Unterschiede nicht zu bewerten seien, stimme ich nicht ganz zu. Wenn bspw. die Studie zur nicht-invasiven Blutdruckmessung eine Number needed to harm der invasiven Blutdruckmessung (hinsichtlich Mortalität) von 20 gezeigt hätte mit einem p von 0.07 dann ist das nicht statistisch signifikant und man kann daraus nicht sicher schließen, dass ein Unterschied vorliegt. Es könnte aber trotzdem Anstoß für weitere Studien mit größerer Stichprobengröße sein. Und auch in der klinischen Entscheidungsfindung könnte man sehr vorsichtig auf solche Studien zurückgreifen, zumindest wenn es wie hier um das Weglassen einer invasiven Maßnahme geht. Wenn Studienergebnisse nur dichotomisiert werden, gehen Informationen verloren. Aber es ist natürlich etwas, bei dem man extrem vorsichtig in der Bewertung sein muss.

    Herzliche Grüße!

  • Markus

    Zur Diskussion „Wacharterie“:

    Eine Kernaussage der aktuellen Guideline
    „Intraoperative klinische Anwendung von hämodynamischem Monitoring bei nicht- kardiochirurgischen Patient:innen“
    sagt:
    „Die Anlage eines arteriellen Katheters soll bei bestehender Indikation für eine intraarterielle Blutdruckmessung vor der Narkoseeinleitung erfolgen.“

    Mit dieser „SOLL“ Aussage stellt sich eigentlich die Diskussion gar nicht, zu welchem Zeitpunkt (vor- oder nach der Induktion) die art. Kanüle gelegt werden soll.
    Nach guter Regionalanästhesie ist es für den Patienten eigentlich auch immer ohne Schmerzen durchführbar, zudem habe ich persönlich den Eindruck, dass nach LA-Infiltration die Punktion oft auch einfacher ist (Verhinderung Gefäßspasmen, Vasodilatation), so dass die Anlage in LA hier noch einen zusätzlichen Benefit bringt (dazu habe ich auch mal Literatur gesehen, finde es auf die schnelle aber nicht wieder).

    Zudem ist die Anlage nach Narkoseindikation ein potentielles Risiko für Fixierungsfehler, da man sich dann auf die Punktion konzentriert und unter Umständen andere Sachen aus den Augen verliert, macht man die Kanüle wach, ist es halt zu dem Zeitpunkt meist auch die einzige Sache, die die Aufmerksamkeit bindet, nach Induktion hat man die Narkoseführung, Kreislaufsteuerung …..
    Weiterer Vorteil der Wacharterie: hat man nur einen Arm zur Verfügung (z.B. Unfall/Ortho) ist an diesem die NIBP und es findet gleichzeitig die Punktion statt – bei einem 3-Minuten Messintervall – kennt vmtl. auch jeder, dass man es gerade hat, und dann die NIBP startet…

    Bei sinnvoller Betrachtung gibt es eigentlich keinen Grund, die Arterie nach Induktion zu stechen, insbesondere, wenn man gute LA macht (LA macht es einfacher, keine Störung durch NIBP, höherer Sicherheitsgewinn bei der Einleitung, ein potentieller Fixierungsfehler weniger und vor allem auch bei der Einleitung den Sicherheitsgewinn)

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